Warum wir die Elternzeit zu gleichen Teilen aufgeteilt haben – und was wir dabei über uns gelernt haben

Elternzeit aufgeteilt

„Lass uns die Elternzeit doch einfach gerecht aufteilen. Die ersten zwei Monate machen wir zusammen, dann bist du 5 Monate zu Hause und dann ich“. Das war Bens Vorschlag für unsere Elternzeit. Unserer ersten Elternzeit, für die wir eine gute Lösung suchten. Und ich war ziemlich begeistert. Denn auch ich hatte mir schon Gedanken gemacht. Würde ich zwölf Monate lang mit unserem Baby zu Hause bleiben wollen? Was war mit meinem Aufträgen als Selbstständige? Und ist es nicht irgendwie ungerecht, wenn selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass ich den größten Anteil der Elternzeit in Anspruch nehme? Wie würde ich die erste Zeit mit Baby allein zu Hause meistern – so ganz ohne Familienanschluss in der Stadt?

Für Ben war klar, dass er viel Zeit mit seiner Tochter verbringen wollte. Nicht nur abends oder am Wochenende. Er wollte wichtige Meilensteine selbst erleben und nicht nur von Videos und Bildern über Whatsapp zehren.

Also planten wir die Elternzeit genau so. Für uns war das eine gute Entscheidung – wenn natürlich auch nicht immer alles reibungslos lief. Ja, manchmal haben wir auch an unserem Plan gezweifelt. Auf jeden Fall haben wir eine Menge über uns als Paar, als Familie und auch als Mama und Papa gelernt!

Wir können uns tierisch auf die Nerven gehen

Eigentlich gab es bisher wenig Streit bei uns. Wir sahen uns nach Feierabend. Und längere Zeit am Stück auch am Wochenende. Und das änderte sich mit der zu gleichen Teilen aufgeteilten Elternzeit. Monate eins und zwei nach der Geburt waren wir zu dritt zu Hause. In den ersten Wochen, benebelt vom Baby-Honeymoon, verschanzten wir uns in unserer kleinen neuen Welt als Familie.

Pures Glück.

Und dann sickerte langsam der Stress durch. Der Schlafmangel machte sich bemerkbar, wir saßen uns auf der Pelle und wollten jeder mal wieder Zeit für sich haben. Da kann schon ein Wäscheberg, der schon viel zu lange herumliegt, für Streit sorgen. Zum Glück konnten wir uns immer zusammenraufen. Aber die gemeinsame Elternzeit muss nicht immer nur heißen, dass alles ganz kuschelig zugeht. Man wächst als Familie zusammen und lernt ganz neue Seiten an sich und auch an seinem Partner kennen.

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Wir sind Superwoman und Superman

Egal, wie anstrengend eine Nacht, eine dieser vielen Phasen, ein Arztbesuch mit endloser Wartezeit oder die erste Episode von unheilvollen Erkältungskrankheiten war: Irgendwie schafften wir es dann doch immer, die Nerven zu behalten. Wir vergaßen Schlafmangel oder den guten Film auf dem Laptop und wechselten uns mit Tragen, Kuscheln und Wickeln ab.

Ein tolles Gefühl für uns zu wissen, dass wir echte Superkräfte entwickeln können, wenn es drauf ankommt. Dass wir zusammen für unser Baby stark sein und – wenn nötig – es auch nächtelang durch die Wohnung wippen können. Und dass es okay ist, wenn man deshalb mal ein paar wütende oder auch verzweifelte Tränen vergießt.

Wir brauchen Zeit für uns allein (ja, auch in der Elternzeit)

Besonders in den ersten Monaten war ich quasi immer mit Klein R. zusammen. Nachts schlief sie neben mir, tagsüber lag sie auf mir oder in meinem Arm. Manchmal war ich damit überfordert, ständig so ein kleines Bündel an mir kleben zu haben. Und ich wollte endlich mal wieder ein paar Stunden ohne Unterbrechung schlafen.

Ich musste mir dann eingestehen, dass die Baby-Liebe noch so groß sein kann, ich brauchte einfach kleine Baby-Auszeiten.

Ben hat sich dann unser Baby geschnappt, sie ins Tragetuch gewickelt und darin schlafen lassen. So hatte ich ein wenig Zeit für mich. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich spätestens nach zwei Stunden Nickerchen (egal wie müde ich war) erschrocken aufgewacht bin. Wo war mein Baby? Da war der Mutterinstinkt stärker als das Schlafbedürfnis.

Umgekehrt gab es immer wieder Tage (und auch Abende/Nächte), die Ben für seine Bedürfnisse nutzen, Sport treiben und ausgehen konnte. Das war für ihn auch sehr wichtig, da kann die Tochterliebe noch so groß sein. Umso mehr freut man sich dann, wenn man nach Hause kommt und von einem fröhlichen Glucksen begrüßt wird!

Wir müssen für uns allein entscheiden

  • „Willst du wirklich nur sieben Monate zu Hause bleiben? Dein Baby braucht dich doch!“
  • „Vielleicht isst euer Kind ja dann noch gar nicht richtig. So viel Muttermilch kannst du vielleicht gar nicht abpumpen und einfrieren. Und ob euer Baby die dann aufgetaut mag, ist ja auch die Frage.“
  • „Wenn das Baby erst mal da ist, willst du sicher nicht schon nach sieben Monaten wieder arbeiten gehen!“

Diese und viele andere Kommentare hörten wir von Bekannten, Kollegen und auch Freunden, als wir unseren Plan für die Elternzeit erwähnten. Unabhängig davon, ob die Kommentare berechtigt waren oder nicht: Sie haben uns oft verunsichert. Ist unsere Entscheidung richtig? Ist das die beste Lösung, um unserem Baby zu geben, was es braucht und gleichzeitig beruflich nicht auf der Strecke zu bleiben?

Nicht für jeden war unsere Lösung ideal. Und hätte es zu diesem Zeitpunkt schon das Elterngeld Plus gegeben, wäre unsere Planung vielleicht noch einmal anders ausgefallen. Trotzdem war es für uns die zu diesem Zeitpunkt einzig richtige Entscheidung. Und das allein zählt.

Wie hast du dir die Elternzeit mit deinem Freund oder Mann aufgeteilt? War es die richtige Entscheidung? Würdet ihr es beim nächsten Mal wieder so machen? Ich freue mich über deinen Kommentar!

2 Gedanken zu “Warum wir die Elternzeit zu gleichen Teilen aufgeteilt haben – und was wir dabei über uns gelernt haben

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